35mm.
Klingt nach nicht viel, steht aber für solch schöne Dinge wie zum Beispiel das wunderbare Kleinbildfilm-Format oder meine Lieblingsbrennweite.

Ich hatte einige 50mm Objektive und auch ein 40mm Teil – alles nicht „weit“ genug für meinen Geschmack. Außerdem steh‘ ich auf Bokeh und einen schönen „3D Effekt“ – viel Auswahl bleibt da dann leider nicht mehr, vor allem nicht für den neuen Sony FE Anschluss. Mein Canon 35mm 1.4 war an der 5D MKiii eigentlich nicht zu groß, die Farbsäume von Blende 1.4 bis 2.8 waren allerdings recht nervig und wirklich scharf war es auch erst ab F2.0. Aber trotzdem: Es war mein Liebingsobjektiv.

Nun denn – neue Kamera, neue Objektive. Zwar habe ich das Canon 35mm 1.4 eine Zeit lang mit dem Adapter an der Sony Kamera betrieben, aber im Endeffekt war mir die Kombination zu schwer und klobig. Irgendwie kam es mir unpassend vor, außerdem war das Objektiv einfach nicht angenehm zu fokussieren, so ganz manuell. Der Fokusring ist einfach zu leichtgängig, man fährt so gerne an dem „anvisierten“ Schärfepunkt vorbei und muss sich erst etwas einpendeln, bis alles passt.
Schon bevor ich auf die Sony gewechselt habe, ist mir immer wieder ein Voigtländer Objektiv in’s Auge gesprungen: „Nokton 35mm 1.2„. Blende 1.2! Nokton! Das klinkt schon nach Nachtsichtobjektiv. „Nocte“ – latein für „in der Nacht„. Der Speichel tropfte mir aus den Mundwinkeln, ich hatte Tränen in den Augen. Irgendwann würde es mir gehören. Muahaha!

35anA7s
 

Ein paar Monate später: Kamerasystem gewechselt und endlich das Objektiv meiner Begierde gefunden, dazu noch gebraucht und recht günstig. Es gibt auch noch eine neuere Version des Objektives, große Unterschiede sind da allerdings nicht zu finden, was ich so aus diversen Tests rauslesen konnte.

Nach einigen Wochen sind mir also einige Dinge aufgefallen:

  • Das Fokussieren läuft aalglatt, der Ring zum Verstellen der Blende rastet wunderbar ein
  • Haptisch ist das gute Stück ein Hammer. Alles sitzt, nichts hat Spiel.
  • Es ist mir gerade noch handlich und leicht genug für die kleine Sony A7s.
  • Die Gegenlichtblende ist etwas seltsam mittels „Schraube“ am Objektiv anzubringen, hält dann aber gut.
  • Bei Blende 1.2 nicht ganz so scharf wie ich erhofft hatte.
  • Bei Blende 1.2 hat das Objektiv eine Art „Glow“ um kontrastreiche Kanten.
  • Bei Blende 1.4 schon viel besser.
  • Ab Blende 1.8 wirklich top.
  • Vignettierung bei 1.2 sehr merkbar, wird bis F2.8 schnell besser. Ich mag Vignette aber.


 

Auch der letzte Blog, genauer gesagt meine letzten Konzertfotos von den Makemakes und der Mundwerk Crew, habe ich zum Teil mit dem Nokton 35mm 1.2 gemacht.
Ich gebe zu: Ich habe am liebsten bei Blende 1.4 oder 1.8 fotografiert, aber das gute Stück ist auch bei F1.2 schon verwendbar, wie einige der folgenden Beispielbilder recht gut demonstrieren:


Blende 1.4 | ISO 320 Blende 1.2 | ISO 320 Blende 1.2 | ISO 4000Blende 8 | ISO 2000 Blende 1.4 | ISO 100 Blende 1.4 | ISO 100 Blende 1.4 | ISO 100
 

Um die optischen Qualitäten nochmal zu zeigen, habe ich hier noch weitere Bilder einer Serie, die ich in der Rettenbachklamm (bei Graz) aufgenommen habe – fokussiert habe ich immer auf die Mitte des Pflanzenteils (Botaniker werden mich jetzt verfluchen). Auch die 100% Ansichten habe ich in recht hoher Auflösung hochgeladen, einfach um die Bildqualität besser einschätzen zu können. Bearbeitung wie ich’s immer mache in Lightroom.

Blende 1.2Blende 1.2Blende 1.2 - 100% Crop

Blende 2.0Blende 2.0Blende 2.0 - 100% Crop

Blende 2.8Blende 2.8Blende 2.8 - 100% Crop

Blende 8Blende 8.0 - 100% Crop Blende 8.0

Blende 22Blende 22Blende 22 - 100% Crop

Also:
Sehr gutes Objektiv, der „heilige Gral der 35mm Objektive“ ist es meiner Meinung nach nicht, aber ich habe mir auch sehr viel erwartet. Ein Sony FE35mm 1.4 kostet mehr als das Doppelte, ist aber auch mehr als doppelt so groß und etwas schwerer. Wir werden sehen, wie’s weitergeht, mein neues Sony 28mm F2 ist schon auf dem Weg zu mir.