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08.02.2017 | USA Südwesten – Teil 2 – Im Osten (vom Südwesten)

Hier ist, falls noch nicht bekannt, der erste Teil zu finden: KLICK!

Tag 8 / Teil 2:
Nochmals zur Erinnerung: Unterstrichene Wörter sind Links zu eventuell lustigen bis bestenfalls interessanten Handyfotos, bitte bei Interesse draufklicken!

Weiter gehts:
Ein fünftes und letztes Mal müssen wir noch die Straße, liebevoll “Schlachthaus” oder einfach nur “Straße der tausend Tode” genannt, entlang – wieder raus aus den rehverseuchten Gegenden östlich des Zion Nationalparks auf direktem Weg zum Bryce Canyon. Obwohl – nicht ganz direkt. Wir wollen noch einen Wasserfall besuchen, der eher eklig aussieht als schön, aber irgendwie gefällt mir die Szenerie. Die trockene, nicht wirklich einladende Landschaft macht den Wasserfall darin etwas unwirklich.

Wir kämpfen mit dem Bildaufbau und der steilen Wand des Flussbettes, die wir hochkraxeln müssen, und gehen etwas unzufrieden den Bach entlang – auf der Suche nach einer Art moosbeschichteten Höhle. Etwa 30 Minuten später hinterfragen wir meine Notizen und drehen um. Davor ist mir so heiß in meiner Skiunterwäsche, dass ich einen erstklassigen Lange-Unterhose-Striptease hinlege, den bis auf Timo leider oder glücklicherweise niemand mitbekommt.
Die gesuchte Höhle liegt übrigens direkt neben dem Wasserfall und sieht so uninteressant aus, dass ich nichtmal ein Handyfoto davon mache.

Punkt 15 Uhr checken wir im Best Western Ruby’s Inn auf einem recht großen Areal samt Selbstbedienungswäscherei und einem Fastfood Restaurants ein.
Zum Sonnenuntergang gehen wir am Rand des Bryce Canyon spazieren und sind begeistert, wie wenig man sich hier für ein gutes Foto bewegen muss. Parken, aussteigen, fünf Minuten gehen, Foto machen – ein Traum für uns sportliche Jungs.

Tag 9:
Wir waren gestern Abend am Sunset Point, natürlich sind wir heute Morgen am Sunrise Point. Im Nachhinein betrachtet (und als Info für Leser, die den Bryce Canyon noch nicht kennen) würde ich es beim nächsten Mal genau umgekehrt machen. Zumindest in den Herbst- und Wintermonaten, da dann die Sonne bekanntlich etwas weniger westlich auf- und dementsprechend weniger östlich untergeht.
So stehen wir 40 Minuten vor Sonnenaufgang fast alleine am Aussichtspunkt, frieren im Wind und warten auf ein hoffentlich episches Feuerwerk in den Wolken. Pünktlich, kurz bevor die Sonne auf den Horizont trifft, kommen sie: Unmengen von Touristen aus aller Frauen Länder, die mit ihren Gopros und iPads vor meiner Kamera rumfuchteln. Im Fall meines ganz speziellen, amerikanischen Freundes weiß ich nicht, ob er meine hasserfüllten Blicke ignoriert oder es einfach nur pure Dummheit ist…
Nachdem ich den als Verlängerung seines Armes fungierenden “Selfie Stick” (mit GoPro) auch auf meinem dritten Bild sehe, frage ich mich, ob es in Guantanamo eigentlich auch fotogene Landschaften gibt. Kurz darauf packt er seine Gorpo wieder ein, meine Laune steigt und der Blutdruck sinkt wieder.

Ein ähnliches Bild wie dieses (in der Landscapes Galerie zu finde) hängt mittlerweile sogar über der Wohnzimmercouch eines Users des Amerika Forums, das ich jedem/r Hilfe- und Tippssuchenden nur empfehlen kann.

Hier noch einige Detailfotos aus dem Canyon, alle an diesem Morgen entstanden:




Es wird Zeit, zumindest die Wendeunterwäsche zu waschen – so vertrödeln wir etwas Zeit im Waschsalon des Hotels und ich lade beim Warten auf die trockene Wäsche die ersten Fotos auf meinen Instagram Account (*hust*- follow me: www.instagram.com/wim__air).
Wir checken aus dem Hotel aus, essen eine Kleinigkeit bei Subway und sind schnurstracks auf dem Weg nach Moab. Canyons und Steinbögen erwarten uns dort – ich muss das Steuer übernehmen, Timo’s Männergrippe fordert Tribut: Er benötigt ein Taschentuch.

Fast viereinhalb Stunden und etliche, kilometerlange Geraden später, erreichen wir Moab. Die Stadt ist so groß, dass Sie sogar eine Hauptstraße mit Ampeln zu bieten hat. Eine Metropole mitten in Steppenlandschaft und Felsen. Der gewiefte Leser weiß, was nun folgt: Essen!
Wir werden Opfer unserer Unerfahrenheit und kehren bei “Wendy’s” ein. In Europa das Idol pferdeverrückter, vorpupertierender Mädchen – in den USA eine Fastfood Kette. Mein Bohnen/Gemüsepatty Burger ist okay, die Pommes sind eher unterer Durchschnitt. Es bleibt der einzige Besuch. Taco Bell ist halt nur durch mehr Taco Bell (oder Pizza) zu ersetzen.

Zum Sonnenuntergang stehen wir am Green River Overlook und sind regelrecht Erschlagen von der Weite der Landschaft, hier im Canyonlands Nationalpark. Dagegen ist der Grand Canyon (wie sich später herausstellt) leider Kindergarten. Ich trenne mich von Timo und gehe etwas an der Kante entlang, bis ich einen passenden Punkt samt Busch für den Vordergrund und Blick auf den Green River finde. Ich bin selten emotional, aber hier kann ich mich nicht zurückhalten: Der böige Wind pfeift mir entgegen, meine Höhenangst brüllt mir ins Gewissen, die tiefstehende Sonne wärmt mein edles Antlitz. Mehr als einen knappen halben Meter traue ich mich nicht an die Felskante, meine weichen Knie zwingen mich zum Feigsein. Gut so.
400 Meter unter mir erkenne ich – dünn wie ein Seidenfaden – einen Schotterweg entlang des Green River-Canyons. Will man den kompletten Weg, die White Rim Road, entlangfahren, braucht man laut Wikipedia 2 bis 3 Tage und eine Genehmigung des Nationalparks. Leider ist es so gut wie unmöglich, die Stimmung in ein Foto zu packen – ich versuche es trotzdem:

Trotz Höhenangst bin ich überraschenderweise tiefenentspannt, so alleine war ich an keinem anderen Zeitpunkt der Reise. Nichts gegen den lieben Timo, aber manchmal wird man sich seiner Umgebung am besten bewusst, wenn man sie alleine genießt. Wahnsinns Moment…

Zurück am offiziellen Aussichtspunkt mache ich ein Panorama, das am besten in hoher Auflösung zur Geltung kommt, während Timo noch belichtet. Darauf erkennt man auch Details der White Rim Road.


Well done, Tag 9 – und in die Schlucht ist auch niemand gefallen.

Tag 10:
Timo hat noch mehr Männergrippe als gestern und wir beschließen auszuschlafen. Wir haben jeweils einen Gutschein für das benachbarte Waffelhaus (nicht Waffenhaus) bekommen und essen wie so oft mehr, als wir eigentlich sollten. Als “Fixpunkt” haben wir für heute Abend den Delicate Arch eingeplant, dem “perfekten Schwiegersohn” unter all den Steinbögen. Bis dahin haben wir allerdings kein Ziel vor Augen und fahren kreuz und quer durch den Arches Natonalpark. Ich bin mir ja leider nicht so sicher, ob ich Bögen aus Stein wirklich spannend finde, aber wenn wir schon mal hier sind…
Der Park ist extrem überlaufen, beim Double Arch suchen wir sogar einige Minuten lang einen Parkplatz.

Wir sind beide etwas angeschlagen und müde und entscheiden uns für ein Nickerchen im Hotel.
Drei Stunden später und noch müder als zuvor kommen wir am Parkplatz des Delicate Arch Wanderweges an. Literweise Gatorade, Wasser, Sonnencreme, sogar Obst haben wir dabei – wir sind ausgerüstet, als müssten wir drei Tage durch die Wüste laufen und fühlen uns immer noch eingeschüchtert von der verhältnismäßig langen Wanderung.
“Verhältnismäßig” bedeutet “für unsere Verhältnisse”, “lange Wanderung” bedeutet in diesem speziellen Fall etwa 45 Minuten Gehzeit, allerdings zum Teil durch Sand, manchmal auch auf blankem Fels – meist jedoch bergauf. Timos Raucherlunge raschelt wie ein Rudel Klapperschlangen, ich frage mich mittlerweile, ob ich die 911 als Kurzwahl speichern sollte. Eine knappe Stunde Gehzeit und wir stehen verschwitzt aber glücklich am Eingang des “Areals” um den Steinbogen. In den Alpen wäre die “Wanderung” maximal ein Gang zum Wirtshaus.

Ich gestehe: Ich fand den Delicate Arch auf Fotos und bei der Recherche nie sonderlich erwähnenswert – habe mich immer gefragt, warum der Felsen so bekannt ist. Vor Ort sieht das natürlich ganz anders aus – das Ding hat schon was. Leider tue ich mir schwer damit, überhaupt Halt auf dem “Abhang” zu finden – je besser mir der Bildausschnitt auf meinem Display gefällt, um so mehr habe ich Angst, die immer steiler werdenden Felsen runter zu rutschen oder zumindest mein Stativ samt Kamera zu opfern. Während wir also auf das passende Licht warten und Jausnen, plaudern wir mit amerikanischen Fotografen und genießen die angenehm warme Luft.

Zumindest einige Minuten – denn die gerade noch entspannte Stimmung und das gemütliches Geschwätz wird von einer Busladung Asiaten (sorry for racism) überwälzt. Diese hüllen die gesamte Szenerie mit ihrem Geschreie ein, an Fotos vom Arch ist gerade nicht zu denken, der wird umzingelt und für die hundertste Selfie-Pose belagert. Unfassbar, wie wenig Respekt man vor der Natur oder denjenigen, die sie hier in Ruhe genießen wollen, haben kann.

Je länger ich dem Spektakel zuschaue, umso weniger gefällt mir meine eigene Fotoposition. Ich wandere also kurz vor knapp nochmal ein paar Meter weiter und finde einen Spot, die etwas mehr “Drama” hat, als die platte Seitenansicht, die man schon hundert Mal gesehen hat. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich an dem Abend der einzige Fotograf war, der zu diesem Zeitpunkt in Richtung des epischen Sonnenunterganges fotografiert hat – freue mich aber über eine eventuell nicht ganz so todfotografierte Ansicht des Delicate Arches:

So sah es übrigens wenige Minuten nachdem das Bild entstanden aus. Die Occupy Arch Bewegung ist wieder im Einsatz:

Es ist schon recht spät, wir haben Hunger und wollen eigentlich bald mal in’s Bett, immerhin werden wir morgen den Sonnenaufgang samt Mesa Arch fotografieren, so die Wettergöttin uns wohlgesinnt ist.
Am Rückweg fahren wir beim Balanced Rock vorbei. Ich kann nicht anders und packe spontan nochmal meine Nachtausrüstung aus dem Rucksack. Leider ist es etwas bewölkt, die Milchstraße wird zu einem späteren Zeitpunkt der Reise definitiv mehr Platz zur Entfaltung bekommen, als auf diesem Bild:

Abends gibt’s dann noch zur Belohnung einen Ceasar Salad für mich und “irgendwas mit Nudeln” für Timo.

Tag 11:
Tagwache um 5:30 Uhr – in Anbetracht der Uhrzeit kann meinen Brechreiz nur mit viel Geschick überwinden, bin mordsmüde und möchte wieder ins Bett. Aber da muss man durch – meistens wird man mit einem feinen Foto, in diesem Fall vom Mesa Arch, belohnt.
Etwa eine Stunde später sind wir die Ersten vor Ort, frieren uns den Arch ab (hihi) und warten in Poleposition auf die Sonne. Nur ein Typ lag im Schlafsack und wollte einen ruhigen Sonnenaufgang genießen. Als diese sich dann tatsächlich blicken lässt, warten bereits um die 10 Fotografen an der Felskante, allesamt entspannt aber merklich wortkarg und ebenso müde wie wir.

Kurz, nachdem das Spektakel vorbei ist, kommen dann Unmengen an Tagestouristen zum Mesa Arch. Tja – 10 Minuten zu spät.
Zurück im Hotel beschließe ich, mich noch zwei Stunden auf’s Ohr zu hauen während Timo mal wieder zu viel isst (zirka 5 Eier, Toast, Wurst, Schinken, insgesamt etwa 3000 kcal laut eigener Aussage).

Nächster Stopp: Monument Valley.

Timo geht beim Anblick der Felstürme einer ab, ich finde die Dinger ein bisschen langweilig. Fotografisch gesehen kann man damit wenig anstellen, ein Bild unter Tausenden (pro Tag). Außerdem kommt mir das ganze hier alles vor, wie pure, lieblose Geldmacherei. Das relativ neue Hotel mit direktem Blick auf das Monument Valley sieht aus, als hätte man Pappkartonwände hingestellt und schnell mal angestrichen. Selbst der riesige Schriftzug des “The View”, wie sich das Hotel nennt, ist eigentlich fake. Die Buchstaben sind mit künstllichem Schatten auf eine Wand gemalt, als wäre einem das Geld für einen echten Schriftzug ausgegangen. Das Restaurant kann ab 19 Uhr nur noch als Hotelgast betreten werden und der Parkplatz bzw. Eintritt in’s Gebiet kostet 20$.
Die Sonne geht unter, die drei Felstürme des Valley hebe ich mir für morgen Früh auf. Ich laufe etwas auf dem Hotelparkplatz spazieren und mache ein spontanes Panorama in Richtung Sonnenuntergang, um zumindest irgendein Foto mit zu nehmen.

Hier noch eine Weitwinkelaufnahme, die ich ganz nett finde – der Übersicht wegen.

Meine einzige “Startrails” Aufnahme des Trips. Inklusive Flugzeugen und Ufos, die soll es im Südwesten der USA ja geben.

Im Laufe des Abends ruft mich unser Guide für morgen geplante Tour zum “White Pocket” Gebiet an und sagt diese leider ab – einer der Allradjeeps ist kaputt, somit fällt die Nachmittags/Abend-Tour aus da der verbleibende Jeep schon am Vormittag los fährt. Touristen… ich verstehe Sie nicht. “Jaja, wir sehen uns diese krass bunten Felsen und Steine lieber bei grellster Mittagssonne und 35 Grad im Schatten (ohne Schatten vor Ort) an, anstatt bei perfektem Licht und Sonnenuntergang” said no Photographer ever. Aber 90% der USA-Urlauber. Ich suche einen Alternative für morgen, das lahme WLAN des Internet pfeift aus allen Löchern. Edmaiers Secret soll es werden, eine Gegend, von der ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gehört oder gelesen habe. Etwa eine Stunde Fußweg entlang eines hoffentlich trockenen Flussbettes und exotische Steinformationen erwarten uns morgen – wir sind gespannt.

Tag 12:
Der Wecker läutet erneut unmenschlich früh, Timo möchte unbedingt den Sonnenaufgang im Monument Valley fotografieren. Also kurz hübsch gemacht (dauert ja nicht lange) und schon sitzen wir wieder in unserer fahrenden Mülltonne. Der Sonnenaufgang ist leider wolkenlos, die Szenerie ist zwar fotogen, aber man ist fotografisch gesehen so eingeschränkt, dass es fast schon weh tut. Aber immerhin sparen wir uns die 20€ Parkplatzgebühr – um diese Uhrzeit schlafen die Navajos anscheinend noch.

Nach einigen Stunden im Auto tuckern wir am Nachmittag die House Rock Valley-Road in Richtung Süden entlang, zum Startpunkt der Wanderung zu Edmaiers Secret. Die Straße ist per se nichts Besonderes, für mich persönlich aber ist es ein ganz fantastischer Moment. Ich habe den Namen dieser Schotterstraße schon zig Male gelesen, in Reiseführern und bei Recherchen zu einzigartigen Fotomotiven. Einige der meiner Meinung nach schönsten Orte unseres Planeten sind von dieser Straße zu erreichen.
Wir parken am “Trailhead” (gibt’s dafür eine sinnvolle, deutsche Übersetzung? Startpunkt?) und wandern einen ausgewaschenen “Wash” – ein trockenes Flussbett – entlang. Etwa eine Stunde gehen wir bis wir verschwitzt am Ziel ankommen. Insgesamt laufen wir um die 6 Stunden im “Edmaiers Secret” Gebiet rum, leider ist das Licht nicht auf unserer Seite und wir beißen uns die Zähne aus. Es ist richtig schwer, die tausenden Details der Gegend ansprechend zu fotografieren – ein paar Bilder der einzigartigen Steinformationen und Gebilde möchte ich aber trotzdem niemanden vorenthalten.



Wir fühlen uns wie Kinder in auf einem riesigen Spielplatz. Wir springen von Stein zu stein, müssen mehrmals umkehren da die Wände manchmal unüberwindbar steil werden. Wir sehen sogar die erste Schlange des Trips, ich bin begeistert – halte aber Respektabstand. Nach einer kurzen Recherche finde ich raus: Es war eine Bullennatter. Ohne Blaulicht. Klassische Südwest-Mainstreamschlange, aber trotzdem nett, so ein Tier mal in Freiheit zu sehen.



Es wird langsam Dunkel, wir sind auf einem der höchstgelegenen Punkte der Gegend und wir verlaufen uns ein klein wenig beim Versuch, die steile Wand unverletzt runter zu steigen. Etwas panisch und Stirnlampen sei Dank schaffen wir es zurück zum “Wash” und gehen im Dunklen durch die kalte Luft – man merkt, wie sich diese im Flussbett sammelt – zurück zum Auto. Zum Abendessen gibt es einen gigantischen Burrito bei Escobar’s Mexican Restaurant, danach wird die Dusche des Travellodge mit Wüstensand verdreckt und wir fühlen uns wieder wie Menschen…

Tag 13:
Wir sind beim Aufstehen furchtbar nervös, da wir um 9:00 Uhr bei der Wave Lottery bestellt sind. Wir frühstücken ein klein wenig und ärgern uns dabei nicht zum ersten Mal über die schrecklichen Zustände des “Buffets”. Überall Plastik und Styrophor – wir fragen uns, warum die lieber Amerikaner so stolz auf ihre Nationalparks und gleichzeitig so ignorant beim Umweltschutz sind.
Kurz vor 9 sind wir also beim Visitor Center in Kanab und warten auf das Aufrufen meines Namens. Es geht um Zutrittsberechtigungen (Permits) für 10 Personen, vor Ort sind über 170. Wir haben extra gründlich die Zähne geputzt und unseren feinsten Zwirn übergeworfen, sogar den überdimensionalen Burrito haben wir gestern Abend vollständig vertilgt – trotzdem haben wir kein Glück. Timo weint fast und hasst alle Menschen, die ein Permit gewonnen haben. Zusätzlich macht unser rechter Vorderreifen am Jeep Probleme – seit Tagen verlieren wir immer wieder verhältnismäßig viel Luft.
Wir lassen uns nicht unterkriegen und fahren nach Page. Am Weg dorthin bleiben wir nochmal beim “Paria Outpost” stehen, dort starten normalerweise die Touren zur White Pocket. Wir haben doch noch etwas Glück – der kaputte Jeep ist nicht mehr kaputt, wir können uns der Tour morgen Nachmittag anschließen. Juchu – wir freuen uns und fahren gut gelaunt weiter nach Page.

Page ist, ähnlich wie die House Rock Valley Road, ein Ort, der einem beim Planen und Recherchieren so eines Trips so einige Male unterkommt. Es gibt dort mit dem Antilope Canyon und dem Horseshoe Bend zwei fantastische Fotospots, die uns beide schon seit Monaten rollig machen. Doch zuerst gilt es, die Zeit, die wir für die nun nicht stattfindende Wanderung zur “Wave” eingeplant hatten, anderweitig zu nutzen.
Wir wollen in den “Waterholes Canyon”, für den man ein “Backcountry Permit” benötigt, da er – wie auch das Monument Valley – auf Indianerland liegt. Wir suchen etwas ratlos nach dem “Büro” der Navajos, das sich in einer kleinen, hässlichen Holzhütte versteckt. Mal wieder fühlen wir uns etwas verarscht: Man lässt hier 12$ pro Person liegen, um einen unaufgeräumten Canyon erkunden zu dürfen. Prinzipiell erwarte ich keine Putztrupps, die das letzte Sandkorn vom Canyonboden saugen – aber zumindest die Reste eines Stacheldratzauns und einer Art “kaputter Leiter”, die einem den Weg versperren, könnte man wegräumen. Gerade für Kinder oder Hunde ist das nicht ungefährlich.

Wir klettern den nicht ganz leichten Abstieg zum Canyon runter und laufen ein, zwei Stunden darin entlang.


Ich bin überglücklich, als ich eine Baby-Schlange sehe, die vermutlich die Schlucht hinuntergefallen ist. Ich werfe ihr ein Stöckchen, sie wedelt mit dem Schwanz. “Klappern” ist passender. Süß. Hier ein 25mb großes Video zum Snake-Encounter. Der Canyon ist nett, aber natürlich kein solch ein Hingucker wie der weltbekannte Antilope Canyon, den wir morgen Besuchen werden (Spoiler!).

Es wird Zeit, das Hotel für die kommenden zwei Übernachtungen zu suchen und einzuchecken. Dachten wir zumindest. Arizona und Utah haben unterschiedliche Zeitzonen, dazu kommt die Winterzeit, die von einem der beiden Bundesstaaten ignoriert wird. Oder eben nicht. Ich weiß es bis heute nicht genau, ohne zu googeln. Jedenfalls sind wir eine Stunde vor dem Check-In beim Hotel, stehlen diesem eine halbe Kühlboxmenge Eiswürfel und entscheiden uns für einen Besuch bei Walmart. Dort gibt es Mitte Oktober bereits lustige Weihnachtsdackel für Timo und Arizona-Eistee im Angebot für unsere frisch befüllte Kühlbox. Außerdem waren wir schon mehr als 2 Tage nicht mehr bei Taco Bell – den gibt es dort auch.

Vollgefressen checken wir im Page Boy Motel ein. Keine direkte Empfehlung meinerseits, aber es ist definitiv eine der netteren Unterkünfte des Trips. Nur das WLAN lässt zu wünschen übrig, der Handyempfang in Page ist auch eher einer der zurückhaltenderen Sorte. Wir ruhen uns kurz aus und machen uns auf den Weg zum Horseshoe Bend. Was dort abgeht, lässt sich nur mit einem Wort beschreiben: Suizid!
Ein Mädel macht im Gymnastikoutfit Handstand, nur wenige Zentimeter von der Kante entfernt – für die “15 Minuten Fame” auf Instagram, nehme ich an. Aufgescheuchte Kinder laufen ohne Aufsicht rum und Fotografen stellen ihre Stative auf Felsvorsprünge, auf die ich nichtmal auf allen Vieren kriechen würde.
Ich habe im Laufe der Zeit sogar einen Touristen verscheucht, der – nur von meiner Position gut zu sehen – auf einer fünf Zentimeter dicke Felsplatte für ein Selfie posiert hat, die etwa einen Meter über den Abgrund ragte – darunter nichts als der freie Fall, Tod und Knochenbrüche.

Der Sonnenuntergang war wie so oft wolkenlos, die ungemeine Weite der Schlucht kann man auf Fotos leider nur erahnen.

Das gute an der Sache: Wolkenloser Sonnenuntergang bedeutet klare Sicht auf die Sterne. So kommen wir bei völliger Dunkelheit wieder zurück und freuen uns über absolute Stille, nur eine kleine Gruppe Fotografen steht in sicherem Abstand zur Kante, leise plaudernd, während deren Kameras belichten. Was für eine entspannte Atmosphäre, verglichen mit dem Tumult, der sich tagsüber an der selben Position abspielt.

Mir ist es wie so oft etwas zuwider, am “Standardplatz” zu stehen, und ich gehe übervorsichtig im Licht meiner Stirnlampe zum dem Plateau, das ich mir tagsüber schon für heute Nacht “ausgesucht” habe. Dort stehe ich wieder mutterseelen alleine und genieße die kühle, klare Luft, während man mit bloßem Auge die Milchstraße beobachten kann – und die Fotografen, deren Taschenlampen immer wieder mal durch die Dunkelheit funkeln.

Tag 14:
Der schlaue Timo hat die erste Fototour des Tages durch den Lower Antilope Canyon gebucht, eine hervorragende Entscheidung. Anstatt mit Massen von Touristen oder anderen Fotografen durch die enge Schlucht getrieben zu werden, sind wir nur zu Viert. Die illustre Gruppe besteht aus einem gut gelaunten Guide, einem ebenso netten Inder und zwei außergewöhnlich gut aussehende Fotografen aus Europa. Fast eine Stunde lang treffen wir keine Menschenseele, die Atmosphäre zwischen den frühmorgendlich kühlen Felswänden lässt sich als Mischung aus “Massage” und “Gottesdienst” beschreiben – relaxt und ehrfürchtig vor diesem magischem Ort quetschen wir uns durch den Canyon, während uns der Guide Tipps gibt.

Wir müssen immer wieder Pausieren, um Busladungen Asiaten (sorry for racism – es sind ausschließlich “asiatisch aussehende Mitmenschen”) an uns vorbei drängeln zu lassen. Zückt eine/r von ihnen eine Kamera, wird der/diejenige von unserem Guide regelrecht angebrüllt – “People, move on please, go go go!”
Wir fühlen uns wie VIPs, die paar Dollar Aufpreis für die Fototour haben sich ausgezahlt. Dank des Führers erkennen wir immer wieder Strukturen, die uns sonst nie aufgefallen wären. Hier eine Schildkröte. Oder ein Wal.

Das hier nennt sich Rocky Mountain Sunrise – mit etwas Fantasie ein sehr passender Titel. Man musste für diesen Bildausschnitt die Kamera direkt an der Canyonwand im 90 Grad Winkel nach oben, gegen Himmel, ausrichten. Niemals hätten wir das selbst entdeckt…

Als wir unsere eleganten Körper durch den extrem engen Canyonausgang pressen, wie Ace Ventura aus seinem Nashorn (Klick!), warten bereits unzählige Touristen auf ihren Einstieg. Selbst die uns entgegenkommende Fotografentour besteht aus etwa 10 stativtragenden Leuten – “das wird eng für euch, da unten” murmle ich in mich hinein und freue mich über meine Fotoausbeute.

Zum gefühlten 40. Mal müssen wir unseren Reifen aufpumpen, haben gerade noch Zeit für Taco Bell Drive-Thru und hetzen zum Paria Outpost, wo die Tour nach White Pocket starten wird.
Die beiden Guides, einer Ex-Fotograf für den National Geographic, der andere ein Ranger, pferchen uns mit vier uralten Pensionisten samt 500 Kilo an Fotoequipment und Lunchpaketen in den dahinrostenden Allradjeep. Die Fahrt dauert ein gefühltes halbes Leben und führt über tiefen Sand und endlose Schotterpisten. Die ersten paar Kilometer der Strecke hätten wir unserem Miet-Jeep noch zugetraut, beim ersten Treibsand waren wir uns aber sicher, dass wir das nicht geschafft hätten.

Vor Ort sind wir anfangs etwas “pissed” – die beiden Führer wollen nicht, dass wir uns von der Gruppe abtrennen. So haben wir uns das nicht vorgestellt.
Das klingt jetzt eingebildet, ich weiß, schreibe trotzdem meinen Frust von der Seele:
Timo und ich wissen meist nach wenigen Minuten, ob ein Motiv, ein Ort oder ein Bildaufbau “funktioniert” oder ob man besser weitersuchen sollte. Das ist eines der wenigen Dinge, die man sich im Laufe der Jahre aneignet. Eine Art “Gefühl”, das man erst lernen muss. Auf dieses “Talent” sind wir stolz, man kann das nicht in einem Youtube Tutorial lernen.
Die Pensionistengruppe besitzt diese Erfahrung leider (noch) nicht. So stehen wir und warten. Bis sie es nach 20 Minuten aufgeben, bei grellster Mittagssonne Szenerie zu fotografieren, die beim derzeitigen Licht einfach “nicht funktioniert”. Das ist kein Vorwurf an die Gruppe, aber ich eine “Fototour” buche, möchte ich mich austoben. Ich will meine eigenen Interpretationen umsetzen, mich selbst rantasten an die bunten Felsen und die Linienführung auf dem Kameradisplay perfektionieren, in diesem riesigen, real gewordenem Traum für Landschaftsfotografen.

So. Genug gejammert. Nach 45 Minuten haben wir uns mit einem Guide von der Gruppe abgekapselt, sozusagen eine “Fortgeschrittenengruppe” gegründet, und konnten das Gebiet mehr oder weniger nach Lust und Laune erkunden. Der Ranger gab uns Tipps und suchte sogar ein paar der seltenen Wasserlöcher für uns, während wir wo anders am Fotografieren waren.




Zum Sonnenuntergang suchen wir uns diesen als Ice Cream Swirl bekannten Felsen als unser Objekt der Begierde, ich mache mein Bild und hetze in der Gegend rum, um das abendliche Licht noch etwas zu nutzen. Die Gruppe drängt schon etwas und möchte nach Hause, Timo und ich sind wiedermal etwas enttäuscht. Da der Rest der Gruppe sich altersbedingt nur noch in Zeitlupe fortbewegen kann, nutzen wir deren Arthritis schamlos aus und machen noch das eine oder andere Bild am Weg zurück zum Parkplatz.





Der Rückweg zieht sich wie Kaugummi, meine Versuche zu schlafen werden von metertiefen Schlaglöchern vereitelt. Kurz vor dem Paria Outpost, wir preschen grade die House Rock Valley Road entlang, höre ich einen Knall. Wenige Minuten süäter – die gesamten 500 Tonnen Fotoequipment musste zuvor ausgeladen werden – tauscht Mike, der Guide, einen der riesigen Reifen. Der wolkenlose Himmel bietet sich an: Ich dokumentiere die Aktion mithilfe einer Langzeitbelichtung.

Apropos Reifen – als wir unseren Jeep starten, piepst es. Die Reifendruckkontrolle lacht sich in’s Fäustchen, sowas hat sie noch nie gesehen: Innerhalb eines halben Tages hat der kaputte Reifen mehr warme Luft verloren, als Donald Trump in seiner bisherigen Amtszeit von sich gegeben hat. Zum Glück hat unser Guide einen Kompressor auf seinem Quad montiert, wir pumpen den fast leeren Reifen etwas auf und schleichen zur nächsten Tankstelle nach Page, morgen lassen wir den Reifen tauschen. Gute Nacht.

Tag 15:
Wir gönnen uns etwas und schlafen heute mal aus. Nach Rücksprache mit unserer Mietwagenfirma lassen wir bei Walmart (wo sonst…) den Reifen wechseln. Währenddessen okkupieren wir das WLAN von McDonald’s – Anmelden müssen wir uns da schon lange nicht mehr, der Access Point erwartet uns bereits mit offenen Armen.

Wir fahren weiter Richtung Süden – zum Coalmine Canyon, der recht unbekannt ist. So unbekannt, dass wir ihn nicht finden. Während der Suche werden wir unweigerlich an einen Western erinnert- eine Szenerie, die ich via Panorama für die Ewigkeit festhalte.

Nachdem wir uns bei einer Feldarbeiterin samt derer Kinder erkundigt haben (deren verwirrte Blicke habe ich heute noch vor mir) stehen wir nach ein paar Minuten Feldweg vor der Schlucht.
Diese ist in der Tat ein Prachtstück. Kein Bryce Canyon von den Farben her, kein Grand Canyon von der “grande” her – aber beeindruckend. Und wir haben sie ganz für uns alleine.

Der letzte “landschaftlich relevante” Tourstop naht. Man merkt, dass unsere Stimmung etwas emotionaler wird, je näher wir dem Grand Canyon kommen. Für den Sonnenuntergang haben wir uns den Desert View Watchtower ausgesucht. Nicht direkt den Turm, sondern eher eine Art Vorsprung in den Canyon hinein.

Dieser ist ebenso beeindruckend wie die Größe der Pizza, die wie nach getaner Arbeit noch vernichten, aber dem Blick vom Canyonlands Nationalpark kann der Grand Canyon nicht das Wasser reichen. “Not so Grand” Canyon, ein Panorama und eine fancy Langzeitbelichtung ist aber noch drin.


Wir übernachten im sehr feinen Grand Canyon Inn & Hotel, nur das WLAN lässt zu wünschen übrig. Zum Dritten und letzten Mal auf der Reise geben wir das folgende Ziel in’s Navi ein: Las Vegas.

Tag 16:
Wir beziehen unser Zimmer im Stratosphere Hotel, somit ist der Eintritt in den gleichnamigen Turm gratis. Der Sonnenuntergang ist wirklich nett, leider wird die Aussicht von diversen Fahrgeschäften versperrt. Trotzdem ein würdiger, letzter Sonnenuntergang auf amerikanischen Boden für uns.

Die folgenden Stunden kann ich nicht mehr exakt rekonstruieren. Wir feiern ausgiebig meinen Geburtstag, ich verspiele 120 Dollar und investiere 12 Dollar in einen dreiviertel Liter “Fat Tuesday Daiquiri” samt Extrashot. Ein wirklich lustiger, wenn auch teurer Abend – die Kopfschmerzen am Tag 17 halten sich in Grenzen, dieser besteht großteils aus Warten auf den Heimflug und der Verabschiedung von Timo, der freundlicherweise das Auto zum Flugplatz bringt. Ich langweile mich im Hotelzimmer, beobachte etwas die ankommenden Besucher im Casino und spiele am iPad, bis ich schlussendlich mit dem Shuttle zum Flughafen fahre und mich auf 11 gemütliche Stunden im Flugzeug freue.

THE END

PS: April 2017 fliegen wir nach Schottland – Reisebericht folgt 🙂
PPS: KLICK! für den ersten Teil des Berichts.

19.01.2017 | USA Südwesten – Teil 1 – Im Westen (vom Südwesten)

Schon seit 2008 habe ich eine Datei namens “Südwesten_USA.doc” (mit der Route, den besten und schönsten Fotopunkten, Hotels und sogar den Flugpreisen) auf meiner Festplatte gelagert. So lange musste ich warten, bis ich endlich das Geld gespart und den passenden Gefährten gefunden hatte. Von 6. bis 25. Oktober 2016 waren wir unterwegs, meist bei wolkenlosem Himmel. (Nord)westlichster Punkt: Mono Lake, Östlichster Punkt: Arches National Park / Coal Mine Canyon.
Also recht überschaubar mit durchschnittlich nur 2 Stunden Fahrzeit, wir sind ja nicht auf der Flucht.
Ich zeige hier zum Teil übrigens auch dokumentarische Fotos ohne der hohen Ansprüche professioneller Landschaftsfotografie, die Erwartungen also bitte etwas runterschrauben. Von den mal mehr mal weniger lustigen Handyfotos, die sich hinter den unterstrichenen Links verstecken, ganz zu schweigen. Aber beginnen wir mal ganz am Anfang:

Ankunft:
Geflogen bin ich von Wien über London nach Las Vegas. Das ist etwas teurer als ein Flug mit 2 Zwischenstopps, die letzten Jahre und Erfahrungen mit Langstreckenflügen haben mich allerdings etwas gelehrt: Lieber einen Hunderter mehr in den Flug investieren und dafür 6 Stunden früher ankommen. Dauert sowieso schon viel zu lange, so ein Flug über den Nordatlantik, und solange es keine Pizzaöfen an Board der Flugzeuge dieser Welt gibt, hat man dieses “notwendige Übel des modernen Reisenden” leider immer wieder über sich ergehen zu lassen.
Persönliche Anmerkung: Falls es tatsächlich jemals Pizzaöfen an Board von Flugzeugen geben sollte, fliege ich mit diesen gerne drei Mal um die Welt ohne auch nur einmal das Flugzeug zu verlassen.

2 Nächte muss ich leider alleine in Las Vegas auf meinen Fotokompagnon Timo warten, was könnte ich also sinnvolleres tun, als sämtliches Fotoequipment zu verspielen. Not.
Apropos Equipment: Für die Technikinteressierten habe ich hier kurz zusammengestellt, was ich im Fotorucksack hatte:

  • Sony A7r
  • Sony A7s
  • Sony Zeiss 16-35mm F4
  • Zeiss Batis 18mm F2.8
  • Canon 135mm F2.0 samt 2x Teleconverter
  • Sony 28mm F2
  • Polfilter
  • Grauverlauffilter von Lee, HiTech und RayMasters
  • Rollei C6i Stativ

However, statt das Zeug also in Sin City zu verspielen hier ein besserer Plan: Ins Valley Of Fire fahren, die Lage checken. Ich wundere mich angesichts der wunderschönen Gegend nicht über die vielen Menschen und Fotografen vor Ort (Anmerkung d. Autors: Handyfotos verlinke ich wie gesagt nur um den “schönen Fotos” nicht die Show zu stehlen, also einfach auf die unterstrichenen Wörter klicken. Bussi), einige sind sogar sehr gesprächig – so ist bis zum Sonnenuntergang für Unterhaltung gesorgt. Aus “Lage checken” wird übrigens dieses für mich erste Bild der Reise: Die Fire Wave:


Hier noch ein Bild aus dem “Hintergarten” der Fire Wave. Zur besseren Orientierung: Ziemlich genau unter dem “Sonnenpunkt” ist die Wave, auf Höhe des Felsens.

Tag 1:
Leider kann ich in der folgenden Nacht, besser gesagt am Morgen der folgenden Nacht, nicht schlafen. So liege ich gegen 4 Uhr Morgens wach im Bett des Best Western Hotels, wünsche dem Erfinder des Jetlags großflächigen Herpes und düse spontan mit dem Mietwagen in Richtung Las Vegas Strip. Geparkt wird am Parkplatz des Tropicana Hotels, von dort schlendere ich dann eigentlich nur kurz durchs MGN über das New York, New York Hotel zum Eingang des Excalibur und wieder zurück. “Nur kurz” bedeutet, dass ich etwa 2 Stunden unterwegs bin.
Eines muss man Las Vegas ja lassen: Es ist gar nicht so geil. Ich find’s hauptsächlich zu laut und hektisch, die Amerikaner (und alle anderen Touristen) sind im betrunkenen Zustand leider auch nicht leiser als nüchtern. Aber vor allen in diesen frühen Morgenstunden kann man sich vom wahren Gesicht der Stadt überzeugen: Frierende Obdachlose, die auf den Fußgängerbrücken schlafen und ein Porsche, den irgendjemand auf der Kreuzung zwischen den Hotels “vergessen” hat.

Das Ding steht tatsächlich für etwa 45 Minuten einfach nur so im Weg rum, wohin der Fahrer geflüchtet ist habe ich leider nicht mitbekommen. Am Weg zurück zum Parkplatz wird das Spektakel dann nochmals kurz mittels Langzeitbelichtung von der Fußgängerbrücke aus festgehalten:

Ich kann zum Glück noch etwas Schlaf nachholen, checke aus und merke: Ich muss mir bis zur Ankunft von Timo’s Flugzeug irgendwie die Zeit vertreiben. Während ich also im nächsten Fast-Food-Restaurant die Gegend mithilfe von Google Maps absuche, springt es mir sofort in’s Auge: Las Vegas Pinball Museum (ja, auch das ist ein Link). Perfekt – ich mag Flipper, da stehen Unmengen davon rum und die Sache ist auch noch gratis (das Museum, nicht das Flippern). Gute zwei Stunden und einige Quarter-Cent Münzen ärmer fahre ich zum Flughafen. Dort wird schnell den Mietwagen zurückgegeben, dann heißt es Warten. Auf meinen langjährigen Fotogefährten Timo, mit dem ich seit 2011 regelmäßig Fototrips mache. Wir waren bisher in Bayern, Nordspanien, Mittelitalien, Island und Korsika unterwegs bis wir uns unseren Traum vom “Südwesten USA” nun endlich erfüllen können. Was für ein romantisches Wiedersehen.
Nach einer unnötig langen und verkomplizierten Anmeldung bei Hertz (man darf via Video-Terminal mit einem Mitarbeiter am anderen Ende der Welt plaudern)​ steigen wir in unseren Jeep Cherokee und fahren standesgemäß erstmal zu Taco Bell. Gleich darauf werden noch ein paar Energydrinks besorgt (man muss ja auf seinen Vitaminhaushalt achten) und los geht’s zum ersten Nationalpark – dem Death Valley. Den Koffer haben wir am halben Weg ins (sehr schmuddelige) Hotelzimmer geworfen, von dort fahren wir weiter zum Zabriskie Point, wo es wegen eines zu hellen Mondes zwar keine Milchstraße, dafür aber surreal wirkende Erdhügel zu fotografieren gibt:

Freundlicherweise hat sich auch eine seltener “Halo-Ring” um den Mond gebildet, sehr nett – habe ich noch nie gesehen und sieht etwas aus, wie ein Objektivfehler. War aber auch mit dem bloßen Auge so zu sehen, fand ich schon recht beeindruckend.


Tag 2:
Erneut muss ich mich beim Jetlag bedanken: Wir wachen ohne Wecker um 4 Uhr auf. Voller Elan werden kurzerhand die Sachen gepackt und wir verabschieden uns tränenerfüllt von unserem Hotel (Armagosa Opera House & Hotel), das langsam im Rückspiegel verschwindet. Es ist mit Sicherheit das schönste Hotel der Stadt. Und die Stadt ist die schönste Stadt der Gegend. Und die einzige. Zwei der drei letzten Sätze sind nicht ernst gemeint.
Schon wieder wird es nichts mit der Milchstraße, aber das Badwater Basin ist schon eine Klasse für sich. Nachdem wir etwa 20 bis 30 Minuten mutterseelenallein durchs sprichwörtliche “Nichts” wandern, finden wir endlich die gesuchten “Salzkrustengebildedinger” und fotografieren absoluter Stille ein paar der Details.

Wir sind zufrieden und beschließen, noch einen Abstecher zum/zur Artist’s Palette zu machen – einigen bunten Erdhügeln, die wir gleichzeitig mit den ersten Sonnenstrahlen erreichen.

Einige Stunde später, um ein feines Mittagessen (Gemüseomlette-Burrito, genial!) gesättigter und um eine Kühlbox reicher werden wir im dezent runtergekommenen Hotel im herbstlichen Mammoth Lakes davor gewarnt, dass Bären unser Auto aufbrechen und sämtliches Equipment, das Navi, alle Ladekabel, bevorzugt Süß oder Salzwaren und sowieso alles und jeden fressen werden, wenn wir es über Nacht im Auto lassen. Toll, wir als Stadtkinder haben sowieso schon Angst vor Bären, und dann so eine Story.
So fahren wir bis zum Abend etwas durch die Gegend und sind begeistert davon, noch vor wenigen Stunden in der Salzwüste des Death Valley fotografiert zu haben und jetzt in der herbstlichsten Szenerie, die ich jemals gesehen habe, Angst vor Bären zu haben. Hier also ein bisschen Beifang aus der Gegend nördlich von Mammoth Lakes:

Am späteren Nachmittag fahren wir zu einem unserer hoffnungsvollsten Spots, dem Mono Lake. Anfangs sind wir überfordert, kein Bildaufbau passt, es sind viel zu viele Fotografen vor Ort, alle laufen wie aufgescheuchte Hühner herum und wissen nicht so recht, was Sie mit den Tufa-Felsen, die den See so berühmt machen, anfangen sollen. Ich versuche, die Gegend etwas auf dem Kamerasensor einzufangen, da man auf den meisten Fotos nur den See und die Felsen darin erkennt – dass der Großteil davon eigentlich an Land steht, wusste ich bis dato selbst nicht.


Am Ende des Tages erleben wir den spektakulärsten Sonnenuntergang der kommenden Wochen. Auch die etwa 50 anderen Fotografen, die sich zwischen den Steintürmen tummeln, bekommen das Grinsen nicht aus ihrem Gesicht – so sollte jeder Tag zu Ende gehen.

Tag 3:
Hervorragend – wieder viel zu kurz geschlafen und weit vor Sonnenaufgang auf den Beinen. Eigentlich auch gut so – wir fahren zum Convict Lake, einem hübschen und leicht erreichbaren See in der Sierra Nevada, und plaudern mit ein paar Fotografen. Dazu möchte ich kurz erwähnen, dass ausmahmslos alle Fotografen*innen, die uns stolz ihre Homepageadresse verraten oder Visitenkarten auf’s Aug gedrückt haben, unserer Meinung nach deutlich besser im Smalltalk als beim Fotografieren sind…
Um ein nettes Foto vom See und vom Mond beleuchtete Berge reicher sind wir pünktlich zum Frühstück (besser “Frühstück”) zurück im Days Inn in Mammoth Lakes. “Kost’s nix, schad’s nix” hat mal irgendein weiser Österreicher gesagt, somit begnügen wir uns mit ein paar Toastscheiben und Müsli aus Styropor-Schüsseln.
Zur Entschädigung holen wir uns danach noch fancy Kaffee im “Lonely Bean Cafe”.
Weil ich mich nicht entscheiden kann, hier der Convict Lake vor- und beim Sonnenaufgang:

Im Laufe des Tages fahren wir in der Gegend rum und finden einen interessanten Fotospot für morgen Früh, den wir auch spontan “Bernhards interessanter Fotospot für morgen Früh” taufen. Relativ spontan entscheiden wir uns, nach Bodie zu fahren – einer alten Geisterstadt, in der früher Gold abgebaut wurde. Aufgrund der geringen Luftfeuchtigkeit blieben viele der Gebäude gut erhalten, Timo und ich sind nur mittelmäßig begeistert, zu teuer ist der Eintritt und zu wenig gibt’s zu fotografieren. Blöd gesagt: Nett für den normalen Tagestouristen, aus landschaftsfotografischer Sicht (auch wegen der Öffnungszeiten) nicht viel zu holen.

Nördlich des Mono Lakes gibt es übrigens eine, ähm, spannend aussehende Thermalquelle, die wir als unseren “Plan B” für den Sonnenuntergang auch kurz besuchen. Nach kurzem Plausch mit den darin badenden Amis entscheiden wir uns aber dagegen. Spät Abends kommen wir beim Horseshoe Lake an, dem höchstgelegenen der vielen Seen rund um Mammoth Lakes.
Fun Fact: Vor einiger Zeit gab es hier nach einigen vulkanischen Aktivitäten so viel Kohlendioxid in der Luft, dass alle Bäume rund um den See kahl und ausgestorben sind. Wir lesen das auf einem nur durch das Mondlicht beleuchtetem Schild (Beweisfoto inklusive Totenkopfsymbol!) und haben im selben Moment sofort Angst, zu ersticken. So sind wir also Nachts alleine in einem toten Wald unterwegs und vermuten hinter jedem Geräusch einen Bären – während wir den Drang verspüren, stundenlang die Luft anzuhalten. Absolut surreale Landschaft die durch den Vollmond noch seltsamer wirkt.

Am Rückweg zum Hotel will ich mich noch an einem Foto der Twin Lakes versuchen. Ich muss zugeben, ein bisschen ein Faible für Fotos von Aussichtspunkten oder höher gelegenen Orten zu haben. Durch den hellen Mond wirkt die Landschaft um die Seen sehr mystisch, wie ich finde.

Tag 4:
Tagwache an diesem Morgen: 5:15 Uhr, wieder ohne Wecker. Wie gestern Abend also beschlossen fahren wir weit vor Sonnenaufgang zum frisch getauften Spot “Bernhards interessanter Fotospot für morgen (heute) Früh” am wunderbar herbstlichen Lake Mary.

Nach getaner Arbeit geht’s zufrieden aber etwas müde zurück in’s Hotel um das etwas geschmacklose Frühstück aus Plastikschüsseln zu vertilgen. Wir beobachten einen gierigen Asiaten, der dreist alle Donuts aus der Vitrine nimmt und als Proviant einpackt. Danke dafür.
Auf dem Hotelparkplatz hat in der Nacht übrigens tatsächlich ein Bär in ein Auto eingebrochen. Wobei “eingebrochen” das falsche Wort ist: Anscheinend wurde vergessen, den Kofferraum abzusperren und Bären können wie ich erfahren und gesehen habe aus eigener Kraft Türen öffnen. Nichtmal Kratzspuren der Krallen waren zu sehen. So liegen ein total zerstörter Picknickkorb neben einigen Konservendosen und Weinflaschen auf dem Boden verstreut und die verdutzte Besitzerin des Autos tut uns Leid.

Wir checken aus dem Hotel aus und fahren zum Bishop Creek, einem Canyon, der nur so leuchtet vor knallbuntem Herbstlaub.

Herbstfarbenfotos können wir somit abhaken und es wird beschlossen, die für heute Abend anstehenden Alabama Hills schon am Nachmittag anzufahren um uns den üblichen “Wir sind zu spät und die Sonne geht bald unter – Stress” zu ersparen. Am Weg dahin bleiben wir wie so oft bei Taco Bell stehen und checken im sehr feinen Hotel (Historic Dow Hotel) mitten in Lone Pine ein.
Ein paar Stunden vor Sonnenuntergang sind wir wie geplant an den Alabama Hills, einem verhältnismäßig (und zu unrecht) noch relativ unbekanntem Gebiet in der westlichen Sierra Nevada. Hier gibt es einige “Arches”, natürlich größentechnisch nicht vergleichbar mit den großen Brüdern und Schwestern im “Arches Nationalpark”, den wir in etwa einer Woche besuchen werden. Aber trotzdem muss gesagt werden: Eine fantastische Gegend, in der man ein paar Tage durchgehend fotografieren (und so tun als würde nach etwas suchen) könnte. Funny Story: Das ausschlaggebende Bild, warum ich in die Alabama Hills wollte, ist übrigens vom “Lathe Arch”. Den habe ich mir immer riesig vorgstellt, mindestens drei oder vier Meter Spannweite. Tja – leider können Fotos täuschen, das Ding wird in unseren Köpfen von nun an als Disappointment Arch. Hier einer meiner Lieblingsspots, der Eye of Alabama – Arch:

Wie so oft will ich mein Glück auch Nachts versuchen, der Vollmond ist aber viel zu hell für ordentliche Fotos der Sterne. Wir treffen zwei Fotografinnen, die mehrere Minuten lang den Mobius Arch belichten. Zwar wissen wir nicht, warum die Beiden das machen (mangels sichtbarer Sterne würde uns kein Grund dazu einfallen..?), die Damen sind aber ganz redsam und die folgenden entspannte Stunden zwischen vom grellen Mond beleuchteten Felsen und Nahtoderfahrungen auf Grund von unbedachtem Kletterversuchen bei Vollmond werden mir noch einige Jahre in Gedanken erhalten bleiben. Ich beschließe, den Steinbogen in einem Selbstportrait zu verewigen und wir lassen’s für heute gut sein, da ich mir an dem Ding die Zähne ausbeiße. Zurück in Lone Pine belohnen wir uns mit der besten Pizza des Tripps, der Tag war also (wie jeder Tag mit Pizza) ein voller Erfolg.

Tag 5:
Schon wieder sitzen wir weit vor Sonnenaufgang in unserem Jeep und steuern den selben Spot wie gestern Abend an. Diesmal, so ist der Plan, hätten wir gerne die Berge im Hintergrund von der Sonne beleuchtet, während wir den Steinbogen als Rahmen verwenden. Der Plan wird uns fast von drei deutschen Fotografen*innen vereitelt, einer davon stürzt aus Strafe fast den Felsen runter, auf dem wir auf die ersten Sonnenstrahlen warten. Eine Andere lässt nach dem Fotografieren ihre Sony A7rII auf den Boden knallen und läuft merklich angeschlagen (haha) in Richtung Parkplatz. Merke: Man legt sich nicht mit uns an! 🙂
Aus dem theoretischen Vorhaben werden dann schlussendlich diese Bilder, mit denen ich zwar nicht ganz zufrieden bin – zum Verrotten auf der Festplatte sind sie aber zu schade:

Halbwegs zufrieden fahren wir zurück in’s Hotel und frühstücken vor dem Check-Out noch was im selben Lokal, in dem wir auch schon am Weg nach Mammoth Lakes gestoppt haben. Mengenmäßig ist das Frühstück schlussendlich eher Frühstück, Mittagessen, Abendessen und nochmals Frühstück und ich bin froh, meinen Prachtkörper noch irgendwie zwischen Lenkrad und Fahrersitz zu bekommen.
Wir packen unsere 7 Sachen und brechen in Richtung Las Vegas auf. Die viereinhalb Stunden lange Fahrt ist eine der längsten des Trips, ich muss nach kurzer Zeit auf den Beifahrerplatz wechseln da mein Auge im Death Valley furchtbar zu tränen beginnt und ich das Schluckauf meines Lebens bekomme. Die hunderten Kurven und Hügel davor samt parallelem Spielen am iPad geben uns den Rest und wir machen Pause bei den Mesquite Flats Sand Dunes, denen wir viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Hätte schon was, die Dünen am frühen Morgen – aber so bleibt es bei einem kleinen Zwischenstopp und dem einen oder anderen Beweisfoto:

Kulturflash in Vegas: Nach Tagen in der Wüste und an ruhigen, bärenlosen Seen und Wäldern sind wir etwas erschlagen von der lauten Großstadt. Begeistert von dem wie wahnsinnig beschleunigendem Aufzug beziehen wir unser Zimmer im 53. Stock und sind auch gleich wieder verschwunden. Wir wollen es zum Sonnenuntergang noch in’s Valley of Fire schaffen – einen der meiner Meinung nach schönsten Orte der (von mir bereisten) USA.
Timo will sein Glück an der Fire Wave versuchen, die ich ja schon ganz an Anfang des Urlaubs (erfolgreich) besucht habe. Ich wandere stattdessen etwas ziellos in der Gegend rum und finde mehr oder weniger durch Zufall den Crazy Hill, der zwar in der echten Welt grandios aussieht, dessen ganze Pracht auf Fotos aber so gut wie gar nicht zur Geltung kommt. Das ist meiner Meinung nach übrigens sehr oft so, im Valley of Fire. Die roten Felsen und die Weite der Landschaft – genauso die Details und Strukturen der Steine machen es einem nicht leicht, einen ansprechenden Bildaufbau zu finden. Da ich es trotzdem als eine meiner Lieblingserinnerungen gespeichert habe, hier das fotografische Mitbringsel aus den netten Stunden, in denen ich in Gedanken verloren um den Crazy Hill rumgewandert bin und verzweifelt versucht habe, das Ding meinen Emotionen entsprechend ins richtige Licht zu rücken.

Es ist schon fast dunkel als ich langsam in Panik verfalle und den Weg zur Fire Wave, an dem ich Timo einige Stunde zuvor zum letzten Mal gesehen habe, entlang gehe. Unser Auto ist das allerletzte am Parkplatz und ich stelle mir vor, wie ich Timo wie in “127 Stunden” (mit James Franco) in irgendeiner Felsspalte finde. Mit seiner Canon Ausrüstung würde ich nicht viel anstellen können außer das Zeug zu verkaufen, ein Wiedersehen mit dem unverletzten Timo würde mich aber mehr freuen. So ward es dann auch geschehen – Timo ist etwas enttäuscht von seiner Ausbeute an der Fire Wave und kommt mir fix und fertig am sandigen Weg in Richtung Parkplatz entgegen.
Zurück im Hotel übermannt uns eine fette Ladung Motivation und wir springen verschwitzt und voller Wüstensand in den Shuttlebus zum Strip. Am Caesars Palace steigen wir aus und finden 30 Minuten später auch den Vorderausgang des gigantischen Komplexes. Draußen ist es noch lauter, wir erkämpfen uns eine Stelle beim Brunnen des Bellagio, bauen unsere Stative auf und warten auf die Show, die alle 15 Minuten stattfindet. Mangels Motivation und wegen übermäßiger Müdigkeit sind wir gleich wieder fertig und wandern weiter in’s Venetian. Schon sehr beeindruckend, was hier vollbracht wurde: Venedig wurde ver-amerikanisiert, samt Himmel, Shops und Gondoliere.



Wir sind streichfähig und lassen uns von einem freundlichen Taxifahrer zurück in’s Hotel bringen. Gute Nacht.

Tag 6:
Unser grandioser Plan, endlich einmal in Boxershorts zu fotografieren, wird vom langweiligen Sonnenaufgang vereitelt. So stehen wir also halbnackt und mit faden Gesichtern gegen 7:00 Uhr am Fenster des Hotelturms und gehen kurz darauf wieder schlafen, weil das Licht und der Ausblick weniger spannend sind, als erhofft. Timo holt zum Pre-Frühstück zwei Croissants um günstige 6$ aus der Hotellobby die zugegeben sehr gut schmecken, ich persönlich frühstücke aber lieber bei Taco Bell.

Heute wird es der wärmste Tag der Tour werden: 34° Celsius (nicht Fahrenheit – oder wie wir zu sagen pflegen: Fahrrad).
Auf einer Homepage sehen wir beim Recherchieren ein Bild einer recht interessant aussehenden Höhle, die wir gerne selbst sehen würden. So suchen wir  uns 45 Minuten die Füße wund wie Indiana Jones auf der Suche nach dem heiligen Aal und sind überrascht, dass die Höhle eher ein “Höhlchen” ist, in die wir mit viel Mühe gerademal das Stativ samt Kamera reinquetschen können.



Egal – die Abenteurer in uns hatten Mordsspaß und irgendwie muss die Zeit bis zum “schönen Licht” überbrückt werden. Wir strawanzen etwas durch den Park und machen das eine oder andere nette Bild, ich versuche mich sogar an meinem ersten Panorama der Tour (hier würde es sich tatsächlich auszahlen, das Bild per Klick zu vergrößern).


Wir haben mittlerweile Sand für drei Burgen in den Schuhen gesammelt und es wird Zeit, ein Plätzchen für den Sonnenuntergang zu finden. Eigentlich wollten wir an diesem Abend zur Fire Wave, für die ich vor dem Abflug extra eine Ausnahmegenehmigung der Parkranger besorgt haben – man darf hier normal nur bis zum Sonnenuntergang im Park rumlaufen. Obacht: Die Ranger kontrollieren das tatsächlich, wir müssen unser “Permit” zumindest einem vorbeifahrenden Ranger zeigen. Nachdem wir beide ja schon “unsere” Fotos der Fire Wave auf der Speicherkarte haben fahren wir wie aufgescheuchte Hühner im Park rum um einen guten Spot zu finden. Kurze Rede, langer Sinn: Wir haben’s versaut. Wir trödeln rum und können uns nicht einigen, wo genau wir zu Sonnenuntergang sein wollen. Dieser ist wirklich episch, leider gibt’s kein Beweisfoto. Wir ärgern uns, bauen kurzerhand die Stative neben der Straße auf und fotografieren einen dummen Kaktus, obwohl der Sonnenuntergang seinen Höhepunkt längst überschritten hat – nur um zumindest das Gefühl vorzutäuschen, nicht vollständig versagt zu haben.

Auf der Rückbank unseres Autos stapeln sich mittlerweile die Monsterdosen und Gatoradeflaschen und von der “no graveled roads” Policy halten wir wilden Hunde auch wenig, das Auto kann man schlussfolgernd bei der Rückgabe direkt zum Schrotthändler bringen.
Wir fahren am selben Abend noch weiter in den Nordwesten und übernachten in einem der vielen “Pensionistenkasinos” (Virgin River Casino) in Mesquite, das am etwa halben Weg zum Zion Nationalpark liegt. Bei einem der einarmigen Banditen gewinne ich 20 Dollar. Sofort übermannt mich eine Welle des Glücks und keine zwei Minuten später habe ich die 20 Dollar und einen Zehner Trinkgeld für den Automaten wieder verspielt. Dafür ist das Essen sehr günstig und auch äußerst fett frittiert – an einen Welnessurlaub hat bei der Buchung aber eh niemand gedacht, man gönnt sich ja sonst nur Gemüse und Wasser. Und Monster und Gatorade und Pizza und Taco Bell.

Tag 7: 
Wir checken aus dem Kasino/Hotel aus, in dem es trotz spätem Vormittag genauso aussieht wie gestern Nacht. Ich bilde mir sogar ein, dieselben Leute wie vor 9 Stunden wieder zu erkennen. Faszinierend, wie die Kasino-Architekten es schaffen, jegliches Zeitgefühl zu vernichten – ein Traum für alle Spielsüchtigen und Heliophoben. Vor der Abfahrt wird das Auto schnell vom gröbsten Müll bereinigt und – wie so gut wie jeden Tag – unsere Kühlbox mit Eis aufgefüllt.
Während wir einmal durch den gesamten Zion Canyon fahren sind wir froh, dass es hier eigentlich nicht viel Spots zum “abarbeiten” für uns gibt. Unfassbare Menschenmassen treiben sich hier tagsüber rum, vor allem am Wochenende. Zum Sonnenuntergang wollen wir am Virgin River sein, einem (zurecht) recht überlaufenem Fotopunkt. Wir fahren davor aber noch zum Einchecken und ein paar Runden Flipper-spielen zum Hotel, das etwa 40 Fahrminuten vom Westeingang des Parks liegt. Timo und ich sind uns einig: Noch nie haben wir so viel totes Wild am Straßenrand gesehen – ohne Übertreibung liegen jeden gefühlten Kilometer zwei bis fünf tote Rehe an jeder Seite der Straße. Es würde mich nicht wundern, wenn sich in einigen Jahren die ersten Hyänen in der Gegend sesshaft machen. Einige Ranger im Park sprechen nur noch von “langbeinigen Ratten”, so viel Rehe gibt es dort.
Am späten Nachmittag geht es zum Zion Canyon Overlook Point, von dem aus man über einen großen Teil des Parks sieht. Die Wanderung dauert etwa 40 Minuten, ist es aber meiner Meinung nach allemal Wert. Die Aussicht wird nur kurz genossen, denn wir wussten: Die Brücke über den Virgin River wird bald voll sein. Voll mit Fotografen, die den Fluss mitsamt des im Hintergrund thronenden “Watchman” ablichten wollen. Wir kommen also eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang an und finden überraschend schnell einen Parkplatz. “Überraschend”, weil der Park normalerweise dermaßen voller Menschen ist, dass man beim Parkeingang parkt und von dort mit Shuttlebussen rumfährt. Glück gehabt.

An besagter Brücke steht schon der/die eine oder andere Fotograf/in – wir reihen uns brav auf und hoffen, mangels Platz oder Gehweg die kommenden Stunden nicht von einem der Shuttlebusse überfahren zu werden.

Der Sonnenuntergang ist herrlich, aber leider wolkenlos. Die Berge und Felsen glühen von den letzten Sonnenstrahlen und im Vordergrund tobt sich der Herbst so richtig aus – ein Traum.

Wir sind etwas hin- und hergerissen und entscheiden uns gegen Fotos in der Nacht und für den Rückweg zum Hotel. Dieser zieht sich in’s Unendliche, da die vorher erwähnten suizidalen Rehe und Hirsche sich am liebsten bei Dämmerung umbringen und den Verkehr vollkommen ignorierend über den Asphalt springen.
Irgendwie schaffen wir es zum Hotel ohne auch nur ein Tier angefahren zu haben und belohnen uns im Restaurant. Meinen Vorsatz, heute mal nicht allzu ungesund zu Essen, schmeiße ich beim Dessert über Bord – noch nie habe ich so viel Schokolade in einer Torte gesehen. Immerhin der Caesar Salad davor war “gesund”. Timo gönnt sich 8-prozentiges “Doppelbock” Bier und steht mir beim gesundheitlichen Aspekt mit seinem Burger in nichts nach.

Tag 8:
Der Wecker klingelt um nullsechshundert und wir fahren, schon wieder, in Richtung Zion – diesmal, um frühmorgendlich zum Canyon Overlook hoch zu gehen. Schon wieder gibt es keine Wolken am Himmel, am Aussichtspunkt treffen wir nur ein Eichkätzchen, dass sich nicht fotografieren lassen möchte. Als kleine Überraschung am Rande (habe ich beim Planen des Trips ausnahmsweise gar nicht bedacht) geht der Mond genau über dem Canyon unter, die Stimmung vor Ort ist schon einmalig – von der Stille bis zur Lichtstimmung, so vergisst man die frühmorgendlichen Strapazen spätestens beim ersten Auslösen der Kamera.

… Ende Teil 1. 

Teil 2 ist hier zu finden!

11.04.2016 | Voigtländer Ultron 35mm 1.7 Review

Meine ewige Suche nach einer vernünftigen “um die 35mm Brennweite” hat eine Ende, heureka!
Nach dem Canon 35mm 1.4L, dem Voigtländer Nokton 35mm 1.2, Voigtländer Nokton 40mm 1.4 und dem Walimex 35mm 1.4 habe ich endlich meinen Seelenfrieden mit dem Voigtländer 35mm 1.7 gefunden. Endlich kann ich wieder ruhig schlafen.

Ich wollte 35mm. Keine 28mm, keine 40mm – hatte/habe ich beides, es ist einfach ein Unterschied. Außerdem sollte das Objektiv bei Offenblende schon scharf abbilden und bestenfalls auch noch handlich sein. Und einen gewissen “3D Effekt” wollte ich auch haben. Meine ganz persönliche, eierlegende Wollmichsau unter den Objektiven also. An das manuelle Fokussieren habe ich mich mittlerweile ganz gut gewöhnt – AF wäre natürlich angenehm, ist momentan aber einfach nicht machbar und die einzige Alternative von Sony (Zeiss 35mm 1.4) ist mir zu groß und teuer.

Doch alles der Reihe nach. Was hatte ich bisher probiert?
Canon 35mm 1.4L I – groß, schwer, ungemütlich zu fokussieren und Farbsäume bei F1.4 bis F2.8, außerdem erst ab F2.8 wirklich scharf.
Voigtländer Nokton 35mm 1.2 I – etwas handlicher, aber meiner Meinung nach erst ab F2.8 sinnvoll scharf.
Voigtländer Nokton 40mm 1.4 – superklein und handlich, leider (mir persönlich) zu unscharf bis F2 und keine 35mm (jaja, da bin ich heikel).
Walimex 35mm 1.4 – riesengroß, hatte ich nur ein paar Stunden an der Kamera. Ist mir viel zu klobig und irgendwie fad von den Farben und den Kontrasten her, einfach kein Charakter.

Schlussendlich habe ich das ziemlich neue Voigtländer 35mm 1.7 bestellt und getestet:
Ich mag es. Sehr gerne sogar!

  • nur 240g leicht
  • bei Blende 1.7 in der Mitte schon sehr scharf, bei F2.2 so scharf, dass man Glas damit schneiden kann
  • relativ wenig Farbsäume an Kontrastkanten (CAs), selbst bei F1.7 eine Offenbarung im Vergleich zum Canon, ab ca. F2.8 keine Farbsäume mehr zu sehen
  • plastische, fast 3D ähnliche Darstellung des fokussierten Objektes, die ich beim Canon 35mm 1.4 immer so geliebt habe
  • manuelles Fokussieren ist ein Traum, die Blendensteuerung ebenso – die bleibt aber eh zumeist auf F1.7
  • Haptik generell sehr wertig
  • wunderschöne Blendensterne, schon leicht abgeblendet. Siehe Beispielfotos
  • für Polfilter genial: die Gegenlichtblende schraubt man direkt auf den (Pol-)Filter. Man hat so nicht das Problem, die Gegenlichtblende beim Polfilter-Drehen im Weg zu haben und mit seinen Wurstfingern aufs Filterglas zu tappsen
  • ABER: Vignette ist definitiv vorhanden, bei F1.7 sogar recht heftig, erst ab F4 “ignorierbar”
  • in den äußersten Ecken erst ab etwa F8 scharf mit Sauce
  • der Fokus verläuft nicht in einer geraden Ebene sondern “kurvenförmig” von der Mitte zum Rand der Bilder, siehe Beispielfoto
    UPDATE 17.08.16: mittlerweile finde ich diese Eigenschaft recht nervig. Man muss bei Portraits mit drei oder mehr Personen wirklich aufpassen und (recht weit) abblenden, da die äußeren Personen sonst nicht mehr im Fokus sind.
  • Leica M-Mount Anschluss, also auf der Sony A7 nur mit Adapter zu verwenden
  • die Nahstellgrenze von etwa 50cm ist für Portraits vollkommen okay, Blumen oder Insekten sind damit natürlich etwas weniger gut in Szene zu setzen

Alsdann – hier ein paar meiner Lieblings- und Beispielfotos samt Erklärung, die alle mit dem guten Stück entstanden sind. Allesamt an meiner Sony A7s, nachbearbeitet in Lightroom, geschärft in Photoshop:

ISO100 | F8 | 1/20 Sekunden
Blendensterne bei etwas geschlossener Blende, so gut wie keine Flares – selbst
bei heftigem Gegenlicht

ISO320 | F2 | 1/125 Sekunden
geniale Schärfe in der Bildmitte selbst bei (fast) Offenblende

ISO100 | F5.6 | 1/80 Sekunden
kitschiger Stern bei ca. F5.6

ISO5000 | F1.7 | 1/100 Sekunden
klassisches Anwendungsgebiet: kurz vorm Überfallenwerden in einer dunklen Seitengasse – beachtenswert: die Farbsäume bei der Lampe rechts oben, die sind in dieser Heftigkeit aber der “worst case”.

ISO250 | F1.7 | 1/1000 Sekunden
die Schärfeebene wandert in Richtung Bildrand etwas nach hinten, an den etwas schärfer werdenden Hintergrund zu erkennen

ISO125 | F1.7 | 1/1000 Sekunden
ebenfalls eine Paradedisziplin des Objektives: Ganzkörperportraits der nahen Verwandten

ISO100 | F1.7 | 1/1600 Sekunden
Nahstellgrenze 0,5m und gegen die Sonne. Schade, dass der Fokus nicht genau passt

ISO100 | F1.7 | 1/160 Sekunden
gutes Beispiel, warum ich lichtstarke 35mm so gern habe: Selbst ein langweiliger Baum sieht plastisch aus!

ISO6400 | F1.7 | 1/125 Sekunden
Konzerte kann’s auch. Aber wozu eigentlich, hat eh schon jede/r ein Smartphone 🙁

ISO160 | F1.7 | 1/1000 Sekunden
Grazer Schlossberg im Frühling

ISO100 | F1.7 | 1/1250 Sekunden
spontanes Portrait nach dem Essen

ISO2000 | F1.7 | 1/80 Sekunden
spontanes Portrait vor dem Essen

ISO100 | F8 | 6 Sekunden
auch Landschaften kann’s

ISO100 | F1.7 | 1/640 Sekunden
wegen Fotos wie diesem mag ich das Objektiv: Ohne viel Aufwand künstlerische Bilder

Auch hier sieht man ganz gut, wie das Bild am Rand wieder etwas “schärfer” wird, da sich der Fokus etwas nach hinten verschiebt

Kurzes Resumé meinerseits:
Kaufempfehlung mit kleinen Einschränkungen, welche die Schärfe und das geringe Gewicht mehr als wieder wettmachen.

 

12.01.2016 | Ode an die Hohe Wand

Update vom 27.12.2016: 
Auch heuer war ich wieder oben – zwei aktuelle Bilder der Chronik entsprechend ganz unten im Beitrag.

“Long time, no see blog”
Nachdem ich nun schon ein paar Monate außerordentlich schreibfaul war, sehe ich keinen Grund, das heute zu ändern. Zumindest habe ich nicht vor, jetzt einen Test oder ein Review irgendeines feuchten Traumes der Fotografenszene niederzuschreiben. Vielmehr würde ich gerne einer alten Bekannte, der “Hohen Wand” im südlichen Niederösterreich, Tribut zollen. Mit Fotos. Wer hätte das gedacht..?

Als Kind habe ich sie nicht zu schätzen gewusst, 25 Jahre später kann ich gar nicht oft genug oben stehen. Dabei fahre ich außerhalb der Tagesbesucher-Rushhour, also vor 10 Uhr und nach 17 Uhr, hoch – da ist es am schönsten. Die Nähe zu meinem Elternhaus hilft da natürlich etwas bei der Entscheidung, den Wecker am Wochenende auf 06:00 Uhr zu stellen.

Bewusst zum Entspannen war ich nach Jahren der Abstinenz im Dezember 2013 wiedermal auf der Hohen Wand. Am 23. Dezember am Abend, um genau zu sein. Absolute Stille und Ruhe genießen, nach dem Weihnachtsstress und bevor man mit zig Verwandten (ja, bei mir sind es “zig”) das letzte Jahr Revue passieren lässt.
Anmerkung an die “zig Verwandten”: Das ist keineswegs negativ gemeint, aber “Ruhe” ist etwas anderes. Ihr wisst, wie ich’s meine.

 

Dezember 2013

Sonnenuntergang am Abend des 23. Dezembers 2013

Dezember 2013

Selber Tag, selbe Stunde: Nebel des Todes.

Nächster Besuch, diesmal sehr wohl mit der Absicht, ein ordentliches Bild zu bekommen, war dann fast exakt ein Jahr später. Woran erkennt der gewiefte Leser, dass ich als Landschaftsfotograf ein wirklich gutes Foto bekommen will? Der Wecker wird auf 6:00 Uhr gestellt, am 24. Dezember. Pre-Bescherungsentpannung, sozusagen – wäre ich nicht am selben Tag gleich nochmal oben gewesen, um einen leider etwas enttäuschenden Sonnenuntergang zu sehen und zwei Stunden später vom Christkind dafür entschädigt zu werden.

 

Dezember 2014

Morgen des 24. Dezembers 2014, kurz vor Sonnenaufgang.

Dezember 2014

Ebenfalls der 24. Dezember 2014 – einige Stunden später.

 

Im Februar 2015 habe ich meine Canon Kamera verkauft und bin zur Konkurrenz übergelaufen. “Uh, wie toll, ISO vier Trilliarden” hat Sony gesagt. “Niemand braucht mehr als 12 Megapixel” hat man mir eingeredet. Großteils zurecht, wie sich im laufe des Jahres rausstellen sollte. Aber darüber gibt es andere Blogbeiträge. Ich wurde auf alle Fälle dank neuer, superempfindlicher Kamera von der Nacht, Sternen und den darausfolgenden Astrofotos angefixt und habe mich selbst daran versucht:

 

August 2015

Milchstraße auf der Hohen Wand in Richtung Südwesten im August 2015. Drei Querfotmatfotos übereinander gebastelt.

 

Nächster Besuch: 26. Dezember 2015. Diesmal war leider kaum Nebel am Fuß der Wand. Schade. Also kurzerhand das Teleobjektiv ausgepackt und ein paar einsame Windgeneratoren beim Winterschlaf fotografiert. Bis dato eines meiner Lieblingsbilder von da oben.

 

Dezember 2015

Windkraftwerke am Morgen des 26. Dezembers.

Dezember 2015

Selber Morgen, Panorama aus drei Hochformatfotos.

 

Ein paar Tage drauf dann mein – nach eigenem Empfinden nach – erfolgreichster Besuch. Eigentlich sehr spontan, ich hatte nichtmal das eigene Auto bei meinen Eltern und musste mir den Kia väterlicherseits borgen. Nebel soweit das Auge reicht, darüber ein bisschen Platz für die Sonne am Horizont und etwas höher wieder Wolken. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.


Jänner 2016Jänner 2016

Jänner 2016

Selbstportrait im Jänner 2016

Jänner 2016

Eines meiner Lieblingsbilder der letzten Jahre – Jänner 2016.

Nach dem erfolgreichen Morgen war ich motiviert genug, am Abend nochmal hochzufahren. Diesmal mit einem Freund, der aus der Weststeiermark angereist ist. Leider gab es keinen schöne Sonnenuntergang, dafür Nebel über den leuchtenden Siedelungen.

 

Jänner 2016

Ähnliche Perspektive – einige Stunden später.

Jänner 2016

Skywalk über dem nächtlichen Nebel.

Update 27.12.2016:

Auch zu Weihnachten 2016: Nebel über dem Skywalk, auf dem mein Vater das Model mimt.

Teleaufnahme bei 270mm.

Der Skywalk musste auch mal wieder herhalten.

Quintessenz des Blogs: Jeder, der die Chance hat, sollte sich das mal anschauen. Bestenfalls bei Sonnenaufgang, zweit-bestenfalls bei Sonnenuntergang, dritt-bestenfalls irgendwann dazwischen.

 

 

29.07.2015 | Sony FE 28mm F2 Review

Auf meiner endlosen Suche nach einem Ersatz für mein (ex) Lieblingsobjektiv (dem Canon 35mm 1.4) hab ich mir kurz nach dessen Vorstellung das Sony 28mm F2 (vor)bestellt. Dank unser aller Lieblings-Leiharbeiter-Arbeitgeber sogar um 50€ günstiger als zum derzeitigen Preis, somit habe ich etwas über 400€ gezahlt. Schnäppchen also, verglichen mit den 1600€ des 35mm 1.4 von Sony. Prinzipiell sollte es nicht nur mein Lieblingsobjektiv für Portraits und Reportagen werden, sondern mir etwas leichter Zugang zur Astrofotografie ermöglichen. Mit der Sony A7s Kamera habe ich bereits etwas in die Sparte rein geschnuppert, mangels lichtstarkem Weitwinkel konnte ich mein theoretisches Interesse aber bisher nie wirklich gut ausleben und praktisch ausprobieren.

Mitte Mai 2015 habe ich das quasi druckfrische Objektiv dann endlich bekommen und konnte es mittlerweile recht gut austesten. Zuletzt auch auf einer sechsstündigen Hochzeitsreportage in Kärnten. Das 28mm ist in Kombination mit dem 55mm 1.8 ein gutes Team, der Abstand zwischen den beiden Brennweiten ist mir aber etwas zu kurz. Wie schon das eine oder andere Mal erwähnt: Das Zeiss Batis 85mm 1.8 muss her. Wie auch immer…


 

  • Meine größte Sorge war, dass ich mit der Blende von “nur” 2 nicht zurecht komme. Nach gewisser Einarbeitung weiß ich nun, dass ich lieber einen Schritt näher auf die Person zugehen muss – dann ist das Bokeh auch ansprechender. Kein 35mm 1.4 – Bokeh, aber für den Preis schon sehr ansehnlich.
  • Der Autofokus hat eigentlich immer gemacht, was er soll und das auch flott genug. Übrigens: Die Gesichtserkennung der Sony Kameras ist schon eine geniale Erfindung (auch wenn das an sich nichts mit dem Objektiv zu tun hat). Einfach mittels Beispielfoto der Kamera beigebracht, dass die Braut die “wichtigste Person” ist und – schwupps – sobald die Kamera die Braut erkennt, wird auf ihr Gesicht scharf gestellt. Hammergute Sache!
  • Die Bildmitte ist ab F2 schon wirklich scharf, ab etwa F8 ist es auch am Rand pipifein. Prinzipiell habe ich aber schon bei 2er Blende nicht das Bedürfnis abzublenden, wie ich das mit dem Voigtländer 35mm 1.2 bei Offenblende hatte. 100% Ansichten von Rand und Mitte siehe etwas weiter unten im Blog.
  • Farbsäume bei Kontrastkanten habe ich nur bei Astrofotos bei sehr weit geöffneter Blende bemerkt, die habe ich aber recht flott in Lightroom entfernt. Bei “normalen” Fotos ist mir aber nichts aufgefallen.
  • Die Achillesferse des Objektives: Verzerrung. Liest man zumindest so im Internet. Stimmt prinzipiell auch, aber: Mangels wissenschaftlicher Laborinstrumente kann ich das zwar nicht exakt nachprüfen, aber angeblich hat das Objektiv ohne Verzeichniskorrektur etwa den Blickwinkel eines 25mm Objektives. Erst nachdem man in Lightroom (oder Kamera-intern) die Korrektur durchführen lässt, sind es die angegebenen 28mm. Mir kommt das prinzipiell entgegen, da ich bei Landschafts oder Portraitfotos eh kaum auf gerade Linien achten muss und somit mehr Weitwinkel habe. Von daher ist’s zwar blöd für Architekturfotografen, mir aber ziemlich wurscht, ätsch.

Hier ein Vergleich zwischen Originaldatei und des Fotos nach der Korrektur in Lightroom. Ja, bei Bäumen fällt es auch in der Landschaftsfotografie auf. Sehr deutlich:

Verzerrung

Hier noch einige Beispiele bei Offenblende. Prinzipiell ist es möglich, den Hintergrund verschwimmen zu lassen – allerdings hat das Objektiv definitiv nicht den “3D Effekt“, den ich beim 35mm 1.4 so geliebt habe, und man muss schon recht aufdringlich nah an die Person oder das zu fotografierende Sujet rangehen. Das Bokeh ist dafür dann aber recht nett.


 

Wie bereits erwähnt hat das Objektiv ab etwa Blende 8 bis in die äußersten Ecken das Prädikat “knackig” verdient, hier die versprochenen 100% Ausschnitte samt dem Originalbild:

100% Mitte 100% Rand
 

Nun noch ein paar Worte zum Thema Nacht/Astrofotos:

Zum “Einschießen” im Dunklen war ich recht spontan mit einem Freund bei der  Riegersburg. Es war Vollmond, der Friedhof sah dadurch noch etwas gespenstischer aus, als er eigentlich war – leider hat man dadurch aber die Sterne etwas schlechter gesehen.

 

ISO500 | F2.8 | 6 Sekunden

Mitte Juli war ich für eine Nacht am Villacher Hausberg, dem Dobratsch (“gefangen”). Nach anfänglichen Gewitter und Nebel hat es gegen Mitternacht aufgeklärt und ich konnte mein erstes, richtiges Milchstraßenfoto machen. Ich bin wirklich begeistert, wie viel Unterschied es macht, ob man auf 700m oder 2200m fotografiert, wie viel mehr Details man sieht, wenn man statt F4 am Rädchen bis F2 runtergehen kann und die ISO sich auf entspannten 1600 einpendelt. Der klare Himmel nach dem Regen am Abend hat den Rest erledigt, besser kann der Blick auf die Milchstraße in Österreich nicht werden, denke ich. Mein Lieblingsfoto aus 2015, bis jetzt zumindest 🙂

ISO1600 | F2.5 | 15 Sekunden

 

Kleines Schlusswort also zum Objektiv:
Selbst wenn ich mir jemals das 35mm von Sony leisten kann – für Landschaftsfotos mit Sternen ist das 28mm F2 wirklich sehr, sehr gut geeignet und auch sonst ist es durch seine Gewicht (nur 200g) eine Linse, die man theoretisch auf seiner A7 festkleben könnte. Sei es im als leichtes Immerdrauf im Urlaub oder auf Feiern und Parties – unauffällig, scharf und relativ lichtstark. Sofern man auf die Brennweite steht – eh klar.