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11.04.2016 | Voigtländer Ultron 35mm 1.7 Review

Meine ewige Suche nach einer vernünftigen “um die 35mm Brennweite” hat eine Ende, heureka!
Nach dem Canon 35mm 1.4L, dem Voigtländer Nokton 35mm 1.2, Voigtländer Nokton 40mm 1.4 und dem Walimex 35mm 1.4 habe ich endlich meinen Seelenfrieden mit dem Voigtländer 35mm 1.7 gefunden. Endlich kann ich wieder ruhig schlafen.

Ich wollte 35mm. Keine 28mm, keine 40mm – hatte/habe ich beides, es ist einfach ein Unterschied. Außerdem sollte das Objektiv bei Offenblende schon scharf abbilden und bestenfalls auch noch handlich sein. Und einen gewissen “3D Effekt” wollte ich auch haben. Meine ganz persönliche, eierlegende Wollmichsau unter den Objektiven also. An das manuelle Fokussieren habe ich mich mittlerweile ganz gut gewöhnt – AF wäre natürlich angenehm, ist momentan aber einfach nicht machbar und die einzige Alternative von Sony (Zeiss 35mm 1.4) ist mir zu groß und teuer.

Doch alles der Reihe nach. Was hatte ich bisher probiert?
Canon 35mm 1.4L I – groß, schwer, ungemütlich zu fokussieren und Farbsäume bei F1.4 bis F2.8, außerdem erst ab F2.8 wirklich scharf.
Voigtländer Nokton 35mm 1.2 I – etwas handlicher, aber meiner Meinung nach erst ab F2.8 sinnvoll scharf.
Voigtländer Nokton 40mm 1.4 – superklein und handlich, leider (mir persönlich) zu unscharf bis F2 und keine 35mm (jaja, da bin ich heikel).
Walimex 35mm 1.4 – riesengroß, hatte ich nur ein paar Stunden an der Kamera. Ist mir viel zu klobig und irgendwie fad von den Farben und den Kontrasten her, einfach kein Charakter.

Schlussendlich habe ich das ziemlich neue Voigtländer 35mm 1.7 bestellt und getestet:
Ich mag es. Sehr gerne sogar!

  • nur 240g leicht
  • bei Blende 1.7 in der Mitte schon sehr scharf, bei F2.2 so scharf, dass man Glas damit schneiden kann
  • relativ wenig Farbsäume an Kontrastkanten (CAs), selbst bei F1.7 eine Offenbarung im Vergleich zum Canon, ab ca. F2.8 keine Farbsäume mehr zu sehen
  • plastische, fast 3D ähnliche Darstellung des fokussierten Objektes, die ich beim Canon 35mm 1.4 immer so geliebt habe
  • manuelles Fokussieren ist ein Traum, die Blendensteuerung ebenso – die bleibt aber eh zumeist auf F1.7
  • Haptik generell sehr wertig
  • wunderschöne Blendensterne, schon leicht abgeblendet. Siehe Beispielfotos
  • für Polfilter genial: die Gegenlichtblende schraubt man direkt auf den (Pol-)Filter. Man hat so nicht das Problem, die Gegenlichtblende beim Polfilter-Drehen im Weg zu haben und mit seinen Wurstfingern aufs Filterglas zu tappsen
  • ABER: Vignette ist definitiv vorhanden, bei F1.7 sogar recht heftig, erst ab F4 “ignorierbar”
  • in den äußersten Ecken erst ab etwa F8 scharf mit Sauce
  • der Fokus verläuft nicht in einer geraden Ebene sondern “kurvenförmig” von der Mitte zum Rand der Bilder, siehe Beispielfoto
    UPDATE 17.08.16: mittlerweile finde ich diese Eigenschaft recht nervig. Man muss bei Portraits mit drei oder mehr Personen wirklich aufpassen und (recht weit) abblenden, da die äußeren Personen sonst nicht mehr im Fokus sind.
  • Leica M-Mount Anschluss, also auf der Sony A7 nur mit Adapter zu verwenden
  • die Nahstellgrenze von etwa 50cm ist für Portraits vollkommen okay, Blumen oder Insekten sind damit natürlich etwas weniger gut in Szene zu setzen

Alsdann – hier ein paar meiner Lieblings- und Beispielfotos samt Erklärung, die alle mit dem guten Stück entstanden sind. Allesamt an meiner Sony A7s, nachbearbeitet in Lightroom, geschärft in Photoshop:

ISO100 | F8 | 1/20 Sekunden
Blendensterne bei etwas geschlossener Blende, so gut wie keine Flares – selbst
bei heftigem Gegenlicht

ISO320 | F2 | 1/125 Sekunden
geniale Schärfe in der Bildmitte selbst bei (fast) Offenblende

ISO100 | F5.6 | 1/80 Sekunden
kitschiger Stern bei ca. F5.6

ISO5000 | F1.7 | 1/100 Sekunden
klassisches Anwendungsgebiet: kurz vorm Überfallenwerden in einer dunklen Seitengasse – beachtenswert: die Farbsäume bei der Lampe rechts oben, die sind in dieser Heftigkeit aber der “worst case”.

ISO250 | F1.7 | 1/1000 Sekunden
die Schärfeebene wandert in Richtung Bildrand etwas nach hinten, an den etwas schärfer werdenden Hintergrund zu erkennen

ISO125 | F1.7 | 1/1000 Sekunden
ebenfalls eine Paradedisziplin des Objektives: Ganzkörperportraits der nahen Verwandten

ISO100 | F1.7 | 1/1600 Sekunden
Nahstellgrenze 0,5m und gegen die Sonne. Schade, dass der Fokus nicht genau passt

ISO100 | F1.7 | 1/160 Sekunden
gutes Beispiel, warum ich lichtstarke 35mm so gern habe: Selbst ein langweiliger Baum sieht plastisch aus!

ISO6400 | F1.7 | 1/125 Sekunden
Konzerte kann’s auch. Aber wozu eigentlich, hat eh schon jede/r ein Smartphone 🙁

ISO160 | F1.7 | 1/1000 Sekunden
Grazer Schlossberg im Frühling

ISO100 | F1.7 | 1/1250 Sekunden
spontanes Portrait nach dem Essen

ISO2000 | F1.7 | 1/80 Sekunden
spontanes Portrait vor dem Essen

ISO100 | F8 | 6 Sekunden
auch Landschaften kann’s

ISO100 | F1.7 | 1/640 Sekunden
wegen Fotos wie diesem mag ich das Objektiv: Ohne viel Aufwand künstlerische Bilder

Auch hier sieht man ganz gut, wie das Bild am Rand wieder etwas “schärfer” wird, da sich der Fokus etwas nach hinten verschiebt

Kurzes Resumé meinerseits:
Kaufempfehlung mit kleinen Einschränkungen, welche die Schärfe und das geringe Gewicht mehr als wieder wettmachen.